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Presse

März 2012

Der Zauberberg

Mit Quecksilberzigarre auf dem Zauberberg

Jochen Servatius' Version von Thomas Manns Roman in der Fassung von Rupert Pfeffer

 

Im übervollen Schwabinger Theater „TamS" präsentierte das Ensemble THEATOUR unter der Regie von Jochen Servatius eine szenische Lesung aus „Der Zauberberg". Die sehr positiven Reaktionen des Publikums auf diese Versi-on des Thomas-Mann-Werkes ließen nur einen Schluss zu: Das Konzept war aufgegangen und das darin begründete reduzierte Spiel der Figuren gelungen. Gelöst und glücklich nahm Servatius, der vor der Veranstaltung, bei der er auch auf der Bühne aktiv mitwirkte, sichtlich angespannt war, das Lob an. „Es war eine runde Sache", meinte Servatius rückblickend. Er inszenierte eine extrem verknappte Bühnenfassung des berühmten Romans von Thomas Mann. Diese stammt von Rupert Pfeffer. Ihm ist es dabei erfolgreich gelungen, das Mammutwerk mit 1200 Seiten auf 60 Seiten oder sieben Bilder zu reduzieren. Darauf wies der Vorsitzende des Thomas Mann Forums, Dirk Heißerer, in seiner Einführung deutlich hin. Auch er war später hochzufrieden mit der Begeisterung der Besucher. Einer Lesung entsprechend, saßen die Vortragenden mit dem Text vor sich an zwei Tischen. Doch bereits die nicht ganz alltägliche Kleidung deutete bestimmte Charaktere an. Und tatsächlich gab es nicht nur eine Menge zu hören, sondern ebenso zu sehen. Insbesondere Servatius selbst steigerte sich in seine Rolle des Joachim Ziemßen hinein. Sein „Gegenpart" ist die eigentliche Hauptperson Hans Castorp, gespielt von Manuel Scherer. (...) Manns Ironie wird in den sieben Szenen immer wieder deutlich. Der „Verein Halbe Lunge" ist auf der Bühne versammelt, und Ziemßen steckt sich gehorsam die „Quecksilberzigarre" ins Gesicht, das heißt, das Fieberthermometer in den Mund. Krankheit und Liebe treffen in Figur der verführerischen Chauchat aufeinander. Es wird „viel gestorben", und die Äußerung „Aber man will ja auch wieder nach Hause" geht irgendwie ins Leere. Im besten Sinne tut sie das sogar beim Publikum, das nach diesem Schlussakkord und viel Beifall noch eine ganze Weile im „TamS" verweilt, begeistert. Der Regisseur Servatius betrachtet diese szenische Lesung als Experiment und Pilotprojekt für eine richtige Theaterinszenierung des „Zauberbergs". Nach dem Erfolg des ersten Abends erscheint es jedoch nicht mehr ausgeschlossen, dass man dieses Format ebenfalls weiterverfolgt.

MZ, März 2012