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Presse

September 2009

Der Doktor und die Teufel

Mord war nur der Anfang

Eine beeindruckende Kulisse wurde in der Volksfesthalle in Ebersberg geschaffen. Das Ensemble THEATOUR gastiert mit „Der Doktor und die Teufel".

 

(...) In der Dunkelheit löst sich aus dem Nebel eine Gestalt. Blaues Licht umfängt sie. Es ist ein Mann in Schwarz und dieser Mann heißt Dr. Rock (Christoph Pabst) ...
Der Doktor und die Teufel eröffnet die Gräben der sozialen Ungerechtigkeit. Eine breite Unterschicht hat weniger als nichts. Die Frauen Nelly (Veronika Rothfuss) und Kate (Antonia Peters) verkaufen für ein paar Groschen Katzenfelle und Menschenhaar. Für ihre Männer, Robert Fallon (Frank Junge) und Timothy Broom (Thomas Chust) lohnt sich ehrliche Arbeit kaum. Der Zufall spielt ihnen eine Leiche in die Hände, und sie entdecken den Markt für frisch Verstorbene. Die anatomische Forschung benötigt mehr Leichen als das Gesetz erlaubt. Daher liefern sie den Toten an das anatomische Institut des gutsituierten Dr. Thomas Rock - und werden reich entlohnt. Das bringt die beiden auf eine Idee. Warum nicht dem Tod etwas auf die Sprünge helfen (...).
Unglaublich realistisch sieht es aus, wenn Robert Fallon (Frank Junge) dem alten Mütterchen (Maria Wirth) ein Kissen auf den Kopf drückt. Ihre Beine zappeln und werden steif, als sie ihr Leben aushaucht. Das Publikum starrt betroffen zu Boden. Fassungslos, vor allem deswegen, weil das Stück auf eine wahre Begebenheit zurückgeht. Immer schneller dreht sich die Spirale des Todes... Ganz anders läuft indessen das Leben im Hause des Dr. Rock, in welchem auch seine Schwester Annabella (Roswitha Gockner) lebt. Rock und seine Frau Elizabeth (Judith Gorgass) sind gut gekleidet, übrigens in Kostüme, wie sie in jener Zeit getragen wurden. Sie schlagen sich höchstens mit Luxusproblemen herum, gehen im Park spazieren und regelmäßig ins Theater. Ihre Kinder wachsen heran und Dr. Rock, brilliant und facettenreich von Christoph Pabst gespielt, hat Muße, um neben seiner Arbeit Bücher zu schreiben. Schon gleich in seiner ersten eloquenten Rede vor Studenten lässt er das Publikum erahnen, dass die Herkunft der Leichen ihn in moralische Widersprüche stürzen wird. Er hat ein gutes Herz, er beschenkt die Armen, doch er seziert sie auch. Aufwühlen und einen inneren Konflikt auslösen kann bei ihm erst der Fall Billy Kindskopf. Alexander Ness, der den Billy verkörpert, spielt sehenswert. Die starren Augen, das irre Glucksen, der steife Gang und wie der die Worte hervorstößt machen seine Rolle glaubwürdig. Das Publikum ist jedenfalls der Meinung und jubelt ihm beim Schlussapplaus zu.
Aber nicht nur ihm und Christoph Pabst gebührt der große Applaus. Er gilt der gesamten Crew, die großartig gespielt hat. Zusammen mit Regisseur Jochen Servatius haben sie ihre Charaktere bis ins Detail ausgefeilt. Humor und schau-rig-schöne Szenen machen das Stück zu einer gelungenen Inszenierung. Nicht nur, wer ein Faible für Horror hat, kommt hier auf seine Kosten. Ethik und Sozialkritik kommen auch nicht zu kurz. Das Pubikum sitzt mitten im Geschehen. Es gibt keine ferne Bühne, die Volksfesthalle wird zum Gesamtschauplatz. Zwischen den Sitzen des Publikums sind die Requisiten verteilt und werden dort bespielt. Kostüme und Ausstattung sind bis ins Detail vorbereitet. Die Inszenzierung mit ihren kurzen und temporeiche Szenen erschaffen eine Geschichte von unglaublicher Dichte.

Ebersberger Zeitung, September 2009